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Leibniz Vorlesung 2005: Prof. Dr. Martin Kusch

Prof. Dr. Martin Kusch
University of Cambridge
Department of History an Philosophy of Science

Relativismus und Skeptizismus

27.-29. Juni 2005, 18-20h

Veranstaltungsort: Leibniz-Haus, Holzmarkt 5, D-30159 Hannover. – Eintritt frei.
Die Vorlesungen werden auf Deutsch gehalten.

Mo., 27.06.2005 Relativsmus und Skeptizismus

Diese Vorlesung geht von der Beobachtung aus, dass die systematischen und historischen Beziehungen zwischen erkenntnistheoretischem Relativismus und Skeptizismus bisher kaum Beachtung gefunden haben. Die Vorlesung greift einige dieser historischen und systematischen Beziehungen auf. Unter anderem versucht sie zu klären, warum der Relativismus erst am Ende des neunzehnten Jahrhunderts zum Problem wurde, während der Skeptizismus bereits seit der Antike ein relativ klares Profil hat. Aus systematischer Perspektive untersucht die Vorlesung, ob sich Argumente für oder gegen Skeptizimus auch als Argumente für oder gegen den Relativismus verwenden lassen – und umgekehrt. Ein wichtiges Ergebnis ist dies: Antworten auf den Skeptizismus tendieren oft zum Relativismus, und viele Gegenpositionen zum Relativismus sind skeptischen Angriffen gegenueber hilflos.

Literaturhinweise

Burnyeat, M. F. (1984), ‘The Sceptic in His Place and Time’, in R. Rorty, J. B. Schneewind and Q. Skinner (eds.), Philosophy in History (Cambridge: Cambridge University Press), 225-254.
Gardiner, P. (1981), ‘German Philosophy and the Rise of Relativism’, The Monist 64: 138-54.
Montaigne, M. de (2003), The Complete Works, tr. D. M. Frame (New York: Knopf).
Popkin, R. (2003), The History of Scepticism: From Savonarola to Bayle, rev. ed. (Oxford: Oxford University Press).
Sextus Empiricus (1985), Selections from the Major Writings on Scepticism, Man, & God, ed. P. P. Hallie, tr. S. G. Etheridge (Indianapolis, Ind.: Hackett).
Turner, S. P. (2002), Brains / Practices / Relativism: Social Theory After Cognitive Science (Chicago: Chicago University Press).
Williams, M. (1996), Unnatural Doubts: Epistemological Realism and the Basis of Scepticism (Princeton, NJ: Princeton University Press).

Di., 28.06.2005 Relativismus und die soziologische Wissenschaftsforschung

Diese Vorlesung beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Relativismus-Diskussion im Zusammenhang des Edinburgher “Strong Programme” in der Wissenschaftssoziologie. Es wird gezeigt, dass die Wissenschaftssoziologen Relativismus zumeist nur als Heuristik, nicht aber als eine systematisch-substantielle Position vertreten. Eine substantielle Form des Relativismus ergibt sich jedoch, wenn man die von den Edinburgher Soziologen vertretene Bedeutungstheorie (“Bedeutungsfinitismus”) weiterentwickelt. Dies wird in dieser Vorlesung versucht. Es geht dabei weniger um eine endgültige Bewertung, als vielmehr um das Entwickeln einer originellen und zumindest prima-facie möglichen Position.

Literaturhinweise

Barnes, B., D. Bloor, and J. Henry (1996), Scientific Knowledge: A Sociological Analysis (London: Athlone Press).
Barnes, B. (1982), T. S. Kuhn and Social Science (London: MacMillan).
Barnes, B. and D. Bloor (1982), ‘Rationalism and the Sociology of Knowledge’, in M. Hollis and S. Lukes (eds.), Rationality and Relativism (Oxford, Basil Blackwell), 21-47.
Kusch, M. (2002), Knowledge by Agreement: The Programme of Communitarian Epistemology (Oxford University Press).
Laudan, L. (1984), 'The Pseudo-science of Science?', in Brown, J.R. (ed.) (1984), Scientific Rationality: The Sociological Turn (Dordrecht: Reidel), 41-74.
Siegel, H. (1987), Relativism Refuted: A Critique of Contemporary Epistemological Relativism (Dordrecht: Reidel).

Mi., 29.06.2005 Skeptizismus und die soziologische Wissenschaftsforschung

Wissenschaftssoziologische Arbeiten von Bloor und Collins knüpfen direkt an skeptische philosophische Positionen an. Beide Wissenschaftssoziologen versuchen zu zeigen, dass der Skeptizismus nur dann unvermeidbar ist, wenn man von individualistischen Positionen ausgeht. Kommunitaristische Positionen hingegen sollen den Skeptizismus vermeiden können. Ich versuche zu zeigen, dass diese Argumentationsstrategie nicht in jedem Fall funktioniert. Z.B. ist Bloors “Antwort” auf den Bedeutungsskeptizismus (“niemand meint jemals etwas mit irgendeinem Wort”) unbefriedigend.

 

Literaturhinweise

Bloor, D. (1997), Wittgenstein, Rules and Institutions (London: Routledge).
Bloor, D. (2004), “Institutions and Rule-Scepticism: A Reply to Martin Kusch”, Social Studies of Science 34: 593-601.
Kusch, M. (2004), “Rule-Scepticism and the Sociology of Scientific Knowledge”, Social Studies of Science 34: 571-91.
Kusch, M. (2004), “Reply to my Critics”, Social Studies of Science 34: 615-20.

 

 


Kontakt (ZEWW):
Prof. Dr. Paul Hoyningen-Huene
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