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Leibniz Vorlesung 2004: Prof. em. Dr. Herbert Schnädelbach

 

Professor Herbert Schnädelbach
Humboldt-Universität zu Berlin

 

WANDEL DES VERNUNFTBEGRIFFS

 28.-30. Juni 2004, 18-20h

Veranstaltungsort: Leibniz-Haus, Holzmarkt 5, D-30159 Hannover. – Eintritt frei

 

 

Bei Molière heißt es: "Der Mensch ist ein vernünftig Wesen, / wer das behauptet, ist nie Mensch gewesen." Wir sind sicher keine reinen Vernunftwesen, aber daß wir im Prinzip vernünftig sein können, das werden wir sicher nicht bestreiten, und wir erwarten dies auch von anderen und von uns selbst. Was meinen wir mit 'Vernunft', 'vernünftig'? Das Verständnis dieser Ausdrücke hat sich seit den Anfängen der Philosophie sehr verändert. Das deutsche Wort 'Vernunft' wurde erst im späten Mittelalter geprägt, und dem gingen griechische und lateinische Ausdrücke vorher, deren Bedeutungen bis auf die Anfänge der Philosophie zurückverweisen; in unseren Ohren klingt es allzu metaphysisch, und deswegen sprechen wir lieber von Rationalität, denn das klingt wissenschaftlich und modern.


In diesen Vorlesungen soll versucht werden, die wichtigsten Knotenpunkte des Nachdenkens über die besondere Fähigkeit des animal rationale aufzuzeigen, und dies nicht nur aus historischem Interesse. Zum einen sollen diese Betrachtungen die Vermutung bestätigen, daß der Wandel des Vernunftbegriffs zusammenhängt mit Veränderungen der realen Vernünftigkeit der Menschen, d.h. daß die begriffsgeschichtlichen Übergänge eine kulturgeschichtliche Bedeutung haben. Die andere These, die dadurch erhärtet werden könnte, betrifft den Zusammenhang von Vernunft und Kritik: Wenn es zutrifft – was zu zeigen sein wird – daß die Wandlungen des Vernunftverständnisses durchweg das Ergebnis von Vernunftkritik gewesen sind, dann scheint das zu beweisen, daß Vernunft und Kritik so eng zusammen gehören, daß wir Vernunft selbst gar nicht anders als kritische Vernunft verstehen können. Die wichtigsten Stationen:

Mo., 28.06.2004

Die Entstehung der spekulativen Vernunft bei den Griechen

Di., 29.06.2004

Die Kritik der spekulativen Vernunft und die Genese der kritischen Vernunft

Mi., 30.06.2004

Die Kritik der kritischen Vernunft und die Genese der funktionalen Vernunft

Der letzte Schritt eröffnet unser modernes Rationalitätsverständnis, von dem zu zeigen ist, daß es ebenfalls der philosophischen Kritik bedarf.

 


Prof. em. Dr. Herbert Schnädelbach, Jahrgang 1936, promovierte an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main bei Theodor W. Adorno mit einer Dissertation über Hegel. An derselben Universität wurde er 1970 habilitiert und lehrte dort im Fachbereich Philosophie, bevor er 1978 einem Ruf an die Universität Hamburg folgte, wo er bis 1992 blieb. Von 1992 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2002 war er Professor für Philosophie am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin

Veröffentlichungen u.a.: Erfahrung, Begründung und Reflexion. Versuch über den Positivismus (1971); Geschichtsphilosophie nach Hegel. Die Probleme des Historismus (1974); Reflexion und Diskurs. Fragen einer Logik der Philosophie (1977); Philosophie in Deutschland 1831-1933 (1983); Vernunft und Geschichte. Vorträge und Abhandlungen (1987); Zu Rehabilitierung des animal rationale. Vorträge und Abhandlungen 2 (1992); Hegel zur Einführung (1999); Philosophie in der modernen Kultur. Vorträge und Abhandlungen 3 (2000); Hegels praktische Philosophie. Ein Kommentar der Texte in der Reihenfolge ihrer Entstehung (2000); Erkenntnistheorie zur Einführung (2002); Analytische und postanalytische Philosophie. Vorträge und Abhandlungen (2004); Philosophie. Ein Grundkurs (Hg., gem. m. E. Martens) (1985, 3. Aufl. 1994); Philosophie der Gegenwart – Gegenwart der Philosophie (Hg., gem. m. Geert Keil) (1993); Hegels Philosophie. Kommentare zu den Hauptwerken, 3 Bände (Hg.) (2000); ferner ca. 25 Aufsätze und Handbuchartikel.

 


Kontakt (ZEWW):
PD Dr. Marcel Weber
Sekretariat: 0511 762-4801
Durchwahl: 0511 762-19391
Fax: 0511 762-4799
E-mail: weber@ww.uni-hannover.de