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Leibniz-Vorlesungen 2016

Professor Brandon C. Look: "Wozu noch Leibniz?"

14.-16. Juni 2016, 18:15 – 20:00 Uhr, Vortragssaal des Historischen Museums Hannover

Flyer

Wie aktuell ist die leibnizsche Philosophie heute noch? Darüber wird Professor Brandon C. Look, einer der international renommiertesten Experten für die Philosophie Gottfried Wilhelm Leibniz', in den Leibniz-Vorlesungen 2016 sprechen. Die Vorlesungen stehen unter dem Titel "Wozu noch Leibniz?". Look wird sich in drei Einzelvorträgen an den Themen "Natur", "Freiheit" und "Gerechtigkeit" orientieren. Brandon C. Look ist University Research Professor und Direktor des Department of Philosophy an der University of Kentucky. 

Natur

Die moderne Philosophie des 17. Jahrhunderts zeichnet sich durch eine radikale Erneuerung des Naturverständnisses und der naturwissenschaftlichen Erklärungsmodelle aus.  So definieren etwa Descartes, Galileo und Hobbes die natürliche Welt als ein mechanistisches System, in dem sich alles durch die Bewegung ausgedehnter Materie erklären lässt.

Leibniz reicht dieses Erklärungsmodell jedoch nicht, da für ihn die Grundlagen der Naturphilosophie nur in der Metaphysik zu finden sind.  Zwei Annahmen spielen eine besondere Rolle: erstens, dass nur das existiert, was ein Einzelding ist, und zweitens, dass eine kausale Wechselwirkung zwischen diesen Dingen unmöglich ist. Diese Thesen führen zu Leibniz’ berühmter „Monadologie“, in der die Welt aus Kraftpunkten oder lebendigen Einheiten (Monaden) besteht, denen jeweils eine spontane Tätigkeit innewohnt.

Obwohl eine Welt aus Monaden zunächst einmal skurril wirkt, sind Leibniz’ Grundideen durchaus plausibel und spielen auch eine Rolle in der gegenwärtigen Metaphysik.

Freiheit

Die Frage, ob menschliche Freiheit angesichts einer göttlichen Vorsehung und der Naturgesetze möglich ist, beschäftigt Leibniz durch seine ganze philosophische Karriere. Eine Handlung kann nur dann als frei gelten, wenn sie sowohl spontan als auch vernünftig, dabei aber nicht zwingend ist, das heißt, wenn es eine Alternative gibt.  Streng genommen ist Leibniz aber der Auffassung, dass alles in dieser Welt determiniert ist und es keinen Platz für Alternativen gibt. Um diesen Widerspruch aufzulösen argumentiert Leibniz, dass Gott unendlich viele mögliche Welten hätte erschaffen können, und da diese anderen Welten in dem göttlichen Verstand tatsächlich existieren, gibt es eben auch Alternativen. Somit schließen Determinismus und Freiheit sich nicht aus.

Leibniz’ Idee von anderen möglichen Welten hat die moderne Philosophie immer wieder inspiriert.  In der gegenwärtigen Metaphysik, Logik und Sprachphilosophie werden Zentralbegriffe wie Notwendigkeit und Zufälligkeit damit erfolgreich analysiert und erklärt. 

Gerechtigkeit

Leibniz’ Ethik und Sozialphilosophie werden oft ignoriert oder geringgeschätzt.  Dabei sind zwei Punkte heute mehr denn je von zentralem Interesse:  Leibniz war der Ansicht, dass Gerechtigkeit die Nächstenliebe des Weisen und religiöse Toleranz der Grundstein einer zivilen Gesellschaft sei.

Leibniz zählt zu den Rationalisten in der frühmodernen Philosophie und zu den Vorreitern der Aufklärung. Sein gesamtes philosophisches und politisches Wirken, insbesondere im Hinblick auf Moral und Gerechtigkeit ist den Geboten der Vernunft verpflichtet. Dennoch hat Leibniz’ Definition von Gerechtigkeit zwei Elemente, die auf der Vernunft basierende Weisheit und die Nächstenliebe. Nur durch das Zusammenwirken beider Eigenschaften ist religiöse Toleranz möglich.

Zwar ist Leibniz mit verschiedenen politischen Bemühungen gescheitert, wie zum Beispiel die Versöhnung und Vereinigung der Konfessionen, seinen Glauben an die Fähigkeit des Menschen zur Vernunft ließ er sich dennoch nicht nehmen. Vielleicht ist gerade dieser aussichtslose Optimismus das Geheimnis der leibnizschen Nächstenliebe.