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Julia Fischer

Leibniz-Vorlesungen 2013

(Sie finden Links zu den Audiomitschnitten unter den jeweiligen Vorlesungstiteln!)

Die Leibniz-Vorlesungen finden am 24., 25. und 26. Juni 2013, jeweils von 18.15 bis 20.00 Uhr im Leibniz-Haus der Leibniz Universität Hannover (Holzmarkt 4-6, 30159 Hannover) statt. (Veranstaltungsflyer zum Download)

Jedes Jahr veranstaltet das Center for Philosophy and Ethics of Science (ZEWW, Arbeitsgruppe des Instituts für Philosophie der Leibniz Universität Hannover) die Leibniz-Vorlesungen. In dieser Vortragsreihe berichtet eine an der Spitze der Forschung stehende, international renommierte Persönlichkeit in drei aufeinander folgenden Vorträgen über ihre Forschungsergebnisse. Die Vorlesungen sind für die breite Öffentlichkeit zugänglich und vermeiden Fachjargon so weit als möglich.

Die diesjährigen Leibniz-Vorlesungen werden von Frau Prof. Dr. Julia Fischer, Professorin für Kognitive Ethologie an der Universität Göttingen, Leiterin der Abteilung "Kognitive Ethologie" am Deutschen Primatenzentrum gehalten.

Unter dem Titel "Die evolutionären Ursprünge von Intelligenz und Sprache: Einsichten aus der Affenforschung" hält Prof. Dr. Fischer folgende Einzelvorträge:

Die Evolution der menschlichen Sprache (Montag, 24.6.13)

(Leider steht für diese Vorlesung kein Audiomitschnitt zur Verfügung.)

"Die Frage nach dem Ursprung unserer Sprache hat in den letzten beiden Jahrzehnten einen ungeahnten Auftrieb erhalten. Doch auf welchem Substrat fußt die Evolution unserer kommunikativen Fähigkeiten? In diesem Vortrag werde ich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kommunikation bei Affen und Menschen beleuchten. Die Ergebnisse zeigen, dass es bei Affen fundamentale Unterschiede zwischen Lautproduktion und Lautverständnis gibt. Die Struktur der Laute ist weitgehend genetisch festgelegt, die Bedeutung der Laute dagegen wird durch Erfahrung gelernt. Auch hinsichtlich der grammatikalischen Fähigkeiten zeigt sich, dass Affen nicht in der Lage sind, regelhaft ihre verschiedenen Laute zu neuen bedeutungsvollen Einheiten zusammenzusetzen, obwohl sie in der Lage sind, unterschiedliche Sequenzen mit verschiedener Bedeutung zu belegen. Die Untersuchungen der gestischen Kommunikation zeigten zwar eine größere Variabilität im Gesteneinsatz, aber es gibt keine Hinweise auf eine elaborierte Semantik oder Syntax. Abschließend werde ich auf die Frage eingehen, was den Menschen im Laufe der Evolution zur modernen Sprache befähigt hat und dabei auch auf Erkenntnisse zu den genetischen Grundlagen der Kommunikationsfähigkeit eingehen."

Literaturhinweise

  • Enard, W., Gehre, S., Hammerschmidt, K., et al. 2009. A Humanized Version of Foxp2 Affects Cortico-Basal Ganglia Circuits in Mice. Cell, 137, 961-971.
  • Fischer J. 2010. Nothing to talk about? On the linguistic abilities of nonhuman primates (and some other animal species). In: Frey U, Störmer C, Willführ K, editors. Homo Novus - A Human Without Illusions. New York: Springer. S. 35-48.
  • Fitch, W. T. 2010. The Evolution of Language. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Jürgens, U. 2009. The Neural Control of Vocalization in Mammals: A Review. Journal of Voice, 23, 1-10.
  • Tomasello, M. 2008. Origins of Human Communication. Cambridge, MA: MIT Press.

Die Evolution der Intelligenz bei Affen (Dienstag, 25.6.13)

Link zum Audiomitschnitt

"Können Tiere denken? Diese Frage wurde von verschiedenen Disziplinen lange Zeit als unwissenschaftlich zurückgewiesen. Infolge der kognitiven Revolution konnte sich jedoch ein vorwiegend experimenteller Zugang zu der Frage entwickeln, wie Tiere Informationen aufnehmen, verarbeiten und wieder abrufen. In diesem Vortrag werde ich neuere Studien an nichtmenschlichen Primaten vorstellen, die sich mit dem Wissen von Tieren über ihre physikalische und soziale Umwelt beschäftigen. Ein Beispiel im Bereich der physikalischen Kognition ist die Unterscheidung verschiedener Quantitäten. Hier scheint die Unterdrückung spontaner Impulse eine Voraussetzung für abstraktes Denken zu sein. Die soziale Kognition umfasst das Wissen über Beziehungen zwischen Dritten ebenso wie die Verarbeitung sozialer Signale. Hier sei beispielhaft das Blickfolgeverhalten genannt, das durch verschiedene Faktoren wie etwa dem Gesichtsausdruck des Gegenübers moduliert wird. Die Befunde stützen die Annahme, dass Affen (und auch andere Tiere) durchaus physikalische Zusammenhänge verstehen und das Verhalten von Artgenossen nutzen können, um Vorhersagen über nachfolgende Ereignisse zu machen; dass es ihnen aber schwer fällt, unsichtbare kausale Zusammenhänge zu erfassen."  

Literaturhinweise

  • Cheney, D. L. & Seyfarth, R. M. 1990. How Monkeys See the World. Chicago: University of Chicago Press.
  • Schloegl, C., Waldmann, M. R. & Fischer, J. in Druck. Understanding of and reasoning about object-object relationships in long-tailed macaques? Animal Cognition.
  • Schmitt, V. & Fischer, J. 2011. Representational format determines numerical competence in monkeys. Nature Communications 10.1038/ncomms1262.
  • Shettleworth, S. J. 2010. Cognition, Evolution and Behavior. Oxford: Oxford University Press.
  • Tomasello, M. & Call, J. 1997. Primate Cognition. New York, Oxford: Oxford University Press.
  • Wasserman, E. A. & Zentall, T. R. 2006. Comparative Cognition - Experimental Explorations of Animal Intelligence. New York: Oxford University Press.

Die Evolution sozialer Komplexität (Mittwoch, 26.6.13)

Link zum Audiomitschnitt

"Soziale Komplexität gilt heute als die wesentliche treibende Kraft für die Entwicklung der Intelligenz bei Primaten. In dieser Vorlesung werde ich zunächst die Vielfalt der sozialen Systeme bei nichtmenschlichen Primaten vorstellen und anschließend am Beispiel der Gattung der Paviane verschiedene Erklärungsmodelle für diese Vielfalt überprüfen. Innerhalb dieser Gattung ist eine erstaunliche Diversität in der sozialen Organisation, dem Paarungsverhalten und den sozialen Beziehungen zwischen den Tieren zu beobachten. Da sie in verschiedenen Habitaten vorkommen, und ihre stammesgeschichtlichen Verwandtschaftsbeziehungen gut bekannt sind, bieten sie sich als „quasi-experimenteller“ Ansatz an, um den Ursachen der Diversität im Sozialverhalten auf die Spur zu kommen. Besonderes Augenmerk werde ich dabei auf unsere Forschungsergebnisse an freilebenden Guineapavianen im Senegal legen, über die zuvor nur wenig bekannt war. Ich werde die Ergebnisse nutzen, um zu verdeutlichen, an welche Grenzen bisherige Erklärungsmodelle gelangt sind und welche neuen Ansätze sich anbieten. Dabei spielen soziale Netzwerkanalysen eine zentrale Rolle. Abschließend werde ich den Zusammenhang zwischen sozialer Komplexität und Intelligenz sowie zwischen sozialer und kommunikativer Komplexität kritisch diskutieren."

Literaturhinweise

  • Barrett, L. & Henzi, S. 2008. Baboons. Current Biology, 18, R404-R406.
  • Cheney, D. L. & Seyfarth, R. M. 2007. Baboon Metaphysics. Chicago: University of Chicago Press.
  • Dunbar, R. I. M. & Shultz, S. 2007. Evolution in the social brain. Science, 317, 1344-1347.
  • Fischer, J. 2013. Primate Social Intelligence. In: Neuroscience (Ed. by Galizia, C. G. & Lledo, P. M.). New York: Springer.
  • Patzelt, A., Zinner, D., Fickenscher, G., et al. 2011. Group composition of Guinea baboons (Papio papio) at a water place suggests a fluid fission-fusion social organisation. International Journal of Primatology, 32, 652-668.
  • Silk, J. B., Beehner, J. C., Bergman, T. J. et al. 2010. Strong and Consistent Social Bonds Enhance the Longevity of Female Baboons. Current Biology, 20, 1359-1369.